Nachts abstillen?! Unsere Geschichte

Heute schreibe ich einen Text, von dem ich selber nie geglaubt habe, dass ich ihn jemals schreiben werde.

Ich habe nachts abgestillt.

„Bam! Wie das?! Hat sie nicht monatelang, JAHRElang propagiert, dass sie ganz allein ihre Tochter entscheiden lassen will, wann sie nicht mehr stillt!?“

Moment – habe ich das wirklich?

Eigentlich habe ich immer nur gesagt, ich stille solange es uns beiden gut geht und „aus heutiger Sicht kann ich mir vorstellen, dass komplett sie entscheidet wann Schluss ist“.

Denn auch beim Stillen gilt, wie immer bei bedürfnisorientierter Elternschaft: es geht um die Bedürfnisse ALLER Familienmitglieder. Es muss allen gut gehen.

Und so kam der Winter und die Krankheiten. Meine Tochter war mittlerweile drei Jahre alt geworden und wir schlitterten von einer schlimmen Krankheit in die nächste. Und was tun Stillkinder (vermehrt), wenn sie krank sind: stillen. Die ersten zwei Dezemberwochen, geprägt durch eine langwierige Mittelohrentzündung, habe ich wieder VOLL gestillt. Eine Dreijährige!

Das Stillen war so anstrengend wie lange nicht mehr… empfunden habe ich es sogar als so anstrengend wie noch NIE.

Das Kind wurde gesund. Das Stillen weniger. Aber für mich immer noch zu viel.

Ich wurde zunehmens genervter. SO wollte ich nie stillen. Es war nicht mehr schön. Zusätzlich schwebte „die erste Nacht ohne einander“ (im Februar) bedrohlich über uns. Es wäre ja für den Papa sicherlich deutlich leichter, wenn sie dran gewöhnt wäre, nachts ohne Brust wieder einzuschlafen… Was also tun?

Ich suchte das Gespräch mit meiner Tochter.

Ich habe ihr gesagt, dass ich nicht mehr so oft stillen will. Dass ich Pausen brauche. Dass mir der Busen weh tut, wenn sie so viel und lange nuckelt. Und so haben wir gemeinsam beschlossen: wenn die Mama schläft, dann schläft der Busen auch. Einschlafstillen und „nachstillen“ solange ich selber noch nicht im Bett bin, haben wir beibehalten. Das war am 28.12.

Und ich hatte große Sorgen durchzuhalten! Letztlich war (und ist!) das Stillen nachts so viel schneller „erledigt“ als das Kind anderweitig zum Schlafen zu bringen, dass ich mir nicht sicher war, ob ich es schaffe…

Die erste Nacht

Sie wollte tatsächlich, plötzlich und unerwartet nur einmal stillen! NUR EINMAL! Und als es die Brust dann nicht gab, hat sie noch nicht mal geweint. WOW. Natürlich war sie länger wach, wusste nicht wie sie liegen soll, ob Wasser trinken eine Idee wäre, sie hat sich durchs Bett gewühlt… Und obwohl sich das Ganze wie eine halbe Ewigkeit angefühlt hat, habe ich durchgehalten. Ich sag’s euch: Zu stillen und sofort Ruhe zu haben war enorm verlockend!! Das erste Mal gestillt habe ich allerdings tatsächlich erst um 7.00 Uhr in der Früh als unsere Nacht vorbei war.

Die zweite Nacht war ähnlich gut, sie war nur einmal wach, hat diesmal kurz geweint, ist aber dafür auch schneller eingeschlafen – TOP.

SO LEICHT sollte es sein?

Hab ich den richtigen Moment erwischt?

Glück?

Eine enorm verständnisvolle Tochter?

Oder einfach die richtige Innere Überzeugung?

Doch dann kam die dritte Nacht. Sie war sehr kurz und sehr hart. Meine Tochter war mindestens 1,5h laut motzend, jammernd und weinend wach. Der Mann und ich auch. Ich bin gedanklich geschwankt zwischen „stillen damit endlich Ruhe ist“ und „ich stille NIE WIEDER“. Ihr kennt das, nachts ist man nicht man selbst. Um 6 konnte dann – trotz stillen – niemand mehr schlafen…

Dennoch: Ich blieb und bleibe dran. Wir reden weiterhin jeden Tag mehrmals darüber, wie die Nacht ablaufen wird („Mama ich schaff das schon!“). Umstellungen, Umgewöhnungen dauern schließlich bis zu drei Wochen. Unsere Nächte sehen weiterhin annähernd gleich „gut“ (?!) aus, wir haben uns eingegrooved… Sie wird um die dreimal wach, bissi wühlen, bissi motzen – aber alles zu ertragen. Wobei ich sehr hoffe, dass die nächtliche Beruhigungsarbeit dann wegfällt, wenn wir uns dran gewöhnt haben…

Denn ja, ich stille nicht mehr, aber besser schlafen tue ich dadurch noch lange nicht!

(Am 4. Januar wurde sie erneut krank. Das Fieber war nachts so hoch, dass ich ihr das Stillen nicht verweigern konnte/wollte. Wir machten also eine Pause von der Pause. Ich merkte recht schnell, dass das Stillen nachts wirklich keine Option mehr für mich war und ich war froh, als sie wieder fieberfrei war und wir „von vorn“ starten konnten mit unserer Entwöhnung.)

11 Kommentare zu „Nachts abstillen?! Unsere Geschichte

  1. Ich finde deine Art deinen Stillweg zu gehen sehr gut und ich bewundere dich für deine immer so reflektierten Gedanken. Die Daumen sind gedrückt für Umgewöhnung auf laaaange Schlafphasen oder gar Durchschlafen.

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  2. Durchhalten ist die Devise! Wir (zweieinhalb) stillen nur noch zum Einschlafen und das auch nur kurz. Meistens kuschelt sie sich dann an, wälzt sich ne viertel Stunde hin und her und pennt zufrieden ein. Hab es vor kurzem nachts auch verweigert, weil ich nicht mehr konnte und wollte. Es gab in der ersten Nacht 10 min Protest und dann schlief sie erschöpft weiter (im Familienbett). In den darauf folgenden Nächten wurde der Protest immer weniger. Das ist jetzt ca 2 Monate her. Hin und wieder fragt sie nachts noch, ist aber mit Wasser und kuscheln zufrieden. Seitdem schläft sie auch viel besser. Der nächste Schritt ist komplett abzustillen. Denn wenn mein Mann sie ins Bett bringt, gibt es ja auch keine Milch 🙂

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  3. Ich habe ihr die Tage vorher erklärt, dass es nachts keine Milch mehr gibt. Einfach war es nicht. Zumal sich selbst 10 min ewig lang anfühlen. Mein Mann und ich haben sie abwechselnd auf dem Arm gehabt. Und morgens hat sie sonst auch immer noch getrunken. Das habe ich 2 Wochen später „abgesetzt“. Ihr geht es gut damit. Sie kuschelt sich aber auch gerne an… Man rechtfertigt sich immer so für alles. Aber ich denke, der Weg ist für uns der richtige. Gestern Abend war ich mit ein paar Freundinnen essen und mein Mann hat sie ins Bett gebracht. Als ich dann heimkam und wir ins Bett gegangen sind, ist sie kurz aufgewacht, kam angekrabbelt und hat sich nur angekuschelt. Das reicht ihr.

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  4. Wir haben übrigens bis zum Sommer noch nachmittags nach der Kita gestillt. Da hat man gemerkt, dass sie das zum runterkommen brauchte. Davon hat sie sich aber eigenständig abgestillt. Hat dann von heute auf morgen nicht mehr nachgefragt. ☺

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  5. Danke für deinen Beitrag, denn so viele Langzeit-Stillmamas kenne ich leider nicht und man kann sich kaum austauschen.
    Ich habe im November, kurz vor seinem 3. Geburtstag, nachts abgestillt. Es hat erstaunlich gut geklappt, auch der Schlaf wurde um Welten besser, vorher ist er immernoch ca. aller 2h wach geworden. Jetzt war er auch zwei Mal mit hohem Fieber krank und ich habe tagsüber fast dauergestillt und ihm natürlich auch nachts die Milch nicht verwehrt. Jetzt ist er wieder gesund und das häufige stillen ist aber geblieben, auch nachts fragt er wieder oft nach und lässt sich schwer beruhigen. Aber ich merke auch, wie schwer es mir inzwischen fällt so viel zu stillen und nachts ist tatsächlich keine Option mehr für mich, da ich sowieso schon zu wenig Schlaf bekomme.
    Ich hoffe, es kommt auch bei uns bald wieder mehr Ruhe rein.

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