Helfersyndrom

Die größte Stolperfalle für uns Eltern bei unserer Tochter ist das Helfen. Ich würde behaupten (und hoffe, ich verschreie es jetzt nicht), dass unser Alltag so harmonisch läuft wie noch nie – schlafen kein Problem, essen kein Problem, Kooperationslevel extrem hoch – bis auf eben diese eine Sache.

Erst heute Morgen sind wir wieder voll reingestapft.

Ich hab schon gesehen, dass sie es nicht alleine schaffen wird. Und weil ich ja weiß wie es endet, hatte ich mir fest vorgenommen mich nicht einzumischen, bevor sie mich aktiv(!) um Hilfe fragt.

Doch es dauerte. Sie kam nicht weiter. Ihre Ungeduld wuchs. Und unsere mit.

Wir wollten alle gemeinsam los und das bald.

„Darf ich dir helfen?“

Die Antwort war Nein. Ein SEHR deutliches Nein. Könnt ihr euch ungefähr vorstellen, wie eine willens- und gefühlsstarke 3,5jährige ihr Nein verteidigt? So.

Sie möchte so sehr schon so groß sein und alles alleine können. Ihre Beharrlichkeit und das Kämpfen gegen Widrigkeiten jeglicher Art (Zippverschlüsse, enge Socken, lange Ärmel, Schraubgläser, Druckknöpfe, winzige Playmobilfigürchen, die auf winzige Stühlchen gesetzt werden wollen, zu feste Stiftkappen,…) und das jeden Tag aufs Neue sind beispiellos.

Sie.will.es.alleine.schaffen!!

Sich helfen zu lassen vor allem bei Dingen, die Mama und Papa mit Links können, ist nichts anderes als – ein Weltuntergang.

Also versuche ich solche Situationen zu umschiffen.

Am besten Klappe halten. Wegschauen. Im Zweifel nebenbei aufräumen, um nicht zuschauen zu müssen und nicht aushalten zu können. Sie meldet sich schon, wenn sie mich braucht. Denn das „nicht aushalten können“ ist ganz allein unser Thema als Erwachsene.

Dazu betreiben wir Prävention, indem WIR uns (von IHR) helfen lassen. Wann immer es geht, bitten wir um Hilfe und freuen uns darüber, wenn wir sie bekommen. Wir leben ihr vor, dass es OK ist nicht alles selbst machen zu können (oder auch zu wollen).

Ich erzähle ihr, dass man deswegen nicht „schlechter“ ist als der andere, sondern, dass es eine ganz tolle Eigenschaft ist, wenn man um Hilfe bitten kann.

Der Papa zeigt ihr, dass es Spaß macht, wenn man Dinge zusammen löst.

Und wie bei allem wird sich, sobald ihr kleiner Kopf dazu bereit ist, auch hier die Synapse dafür bilden und sie wird abrufen können, wie sie durch diese Situationen kommt ohne die Nerven zu schmeißen.

Bis dahin hilft das alles aber wenig, wenn wir uns nicht einfach zurückhalten können.

Das hier ist also ein kleiner Reminder an mich (und den Papa) – Halt dich einfach raus!