Müssen Mama und Papa gleich ticken?

Es ist 19:50, mein Tag hat um 6:15 begonnen. Ich mag nicht mehr spielen. Ich sage meiner Tochter, dass es jz langsam Zeit wird fürs Bett. „Noch eiiiiiinmal!“ – ihr kennt das. Aber ich bleibe dabei, bei Mama hat es sich ausgespielt. Da kommt mein Mann ums Eck. „Papa!!! Spielen wir?“ Mein Blick sagt alles: ich will Feierabend und hab echt keine Lust, das Kind noch viel später ins Bett zu bringen. Vor allem mit der Gefahr, dass bei ihr die Müdigkeit zuschlägt und das fertig machen damit komplizierter wird und eventuell tränenreich endet. Unser Agreement lautet daher: will Papa auch noch spielen, ist das seine Entscheidung – er macht dafür dann aber auch den Rest.

Wir wachen gerade erst auf und meine Tochter will schon Kekse. Ich murmel etwas von …erst was gesundes, dann isses ok… und flüchte zur Kaffeemaschine. Kurz darauf sehe ich sie mit einem Keks in der Hand. „Ich hab mit Papa einen Plan gemacht: erst einen Keks, dann was Gesundes, dann noch einen Keks.“ Schlaues Kind, hat es sich den noch halb schlafenden Papa vorgenommen.

Ich höre die beiden im Flur diskutieren. Draußen ist es kalt und mein Mann will nicht ohne Jacke mit ihr los. Ich hab weder Lust auf Streitereien in der Früh noch auf ein Zuspätkommen von uns allen. Also löse ich die Situation in dem ich meiner Tochter zurufe, dass es schon OK ist und sie die Jacke auch draußen erst anziehen kann. Mein Mann ist erleichtert, dass es endlich losgeht.

Mama. Papa. Zwei unterschiedliche Menschen.

Jeder mit seinen eigenen Bedürfnissen, Erfahrungen, Glaubenssätzen(!) und Grenzen.

Ich reagiere nicht so wie mein Mann. Mein Mann nicht so wie ich.

Würden wir das, wären wir nicht mehr wir selbst und würden das wichtigste verlieren: unsere Authentizität.

Bindungsorientierte Elternschaft baut aber genau darauf auf.

Weil wir nur so JA aus vollem Herzen sagen können und – (viel wichtiger) NEIN, weil unsere jeweiligen, sehr persönlichen Grenzen überschritten wird. Es gibt keine Regel „aus Prinzip“. Und selbst wenn so eine im Alltag mal auftaucht, entarnt meine Tochter diese sofort und zuversichtlich. Denn dann ist da keine Beziehung, keine Verbindung, nichts Echtes.

Es gibt sie und ihn und mich.

Es gibt Mama/Tochter, Papa/Tochter, Mama/Papa. Jeder von uns ist anders und somit ist jede Beziehung anders.

Es fühlt sich so richtig, echt und natürlich an seitdem wir das verstanden haben.

Nur wenn ich ich bin, bin ich die beste Mama und Frau, die ich sein kann.

Nur wenn er er ist, ist er der beste Papa und Mann, der er sein kann.

Und nur wenn wir wir sind, kann unsere Tochter sie selbst sein.

Das ist unser größter Wunsch.

(Unterschiedliche Entscheidungen der Eltern erachte ich einzig dann als gefährlich, wenn sie aus Gleichgültigkeit, Unreflektiertheit oder gar Gemeinheit gefällt werden.)